Der lachende Schutzengel von Kibera

Inua Mimi Rescue Centre hilft Mädchen in Nairobi

Wenn man versucht, sich in Kibera durch das undurchdringlich erscheinende Gewirr schlammiger Wege, dunkler Gassen und schmaler Durchgänge zu bewegen, versteht man sofort, warum das größte Slum Afrikas in der kenianischen Hauptstadt Nairobi nach dem nubischen Wort für ‘Dschungel’ benannt wurde. Kibera besteht aus hunderttausenden, dicht an dicht gedrängten, baufälligen Hütten. Wie viele Menschen hier leben, niemand kann das genau sagen! Die Schätzungen gehen von einigen Hunderttausend bis hin zu zwei Millionen!? Nur eines weiß man genau: Es gibt deutlich mehr Ratten als Menschen!

Erste und oft letzte Station

Kibera ist oft die erste - und meist auch letzte - Station für Menschen, die vom Land in die Hauptstadt kommen, in der Hoffnung hier ein besseres Leben zu finden. Ohne Kibera würde Nairobi nicht funktionieren! Davon ist unsere Projektpartnerin Rose Kasina fest überzeugt. Die Bewohner Kiberas übernehmen nämlich die Jobs in der Hauptstadt, die sonst keiner machen will: Hausmädchen, Putzfrauen, Müllmänner, Wachleute, Parkplatzeinweiser etc. Nach Ethnien getrennt leben sie in den verschiedenen Teilen Kiberas. Sie bringen ihre dörflichen
 
Strukturen mit in den Slum: Es gibt Chiefs und man hilft sich gegenseitig. Allerdings ist die Kriminalität extrem hoch und Gewalt gehört hier zum Alltag. Das bekommen besonders häufig junge Frauen und Mädchen zu spüren. Sie werden Opfer sexueller Gewalt – in den Straßen des Slums, aber auch zuhause.

Trotz aller Not ein fröhlicher Mensch

Diesen Mädchen Zuflucht, Geborgenheit und Zukunftschancen zu bieten, hat sich Paschalia Nduku zur Aufgabe gemacht. Mitten in Kibera, in all dem Lärm, dem Dreck und der Gewalt hat sie bereits im Jahr 2000 das „Inua Mimi Children’s Rescue Center“ gegründet. Dort leben derzeit 20 Mädchen, die wegen sexueller Gewalt, drohender Genitalverstümmlung oder Frühverheiratung von Zuhause forgelaufen sind. Daneben kümmert sich Paschalia, die selbst acht Kinder großtgezogen hat, noch um 12 Babies – meist Aids-Waisen oder Kids, die keiner mehr haben will.

Ihr Lachen ist ansteckend

Gemeinsam mit Rose Kasina, mit der die Aktion das „Hosea House of Hope“, ein Zentrum für HIV-positive Mädchen, und die Achor-Valley-School in Ruiru betreibt, besuchen wir Paschalia und ihre Mädchen in Kibera. Wir begegnen einer Frau, die trotz aller der Erfahrungen von Not und Elend ein fröhlicher Mensch geblieben ist. Ihr Lachen ist ansteckend und zaubert selbst auf die Gesichter der schüchtern dastehenden Mädels ein Lächeln.

Aber genauso merkt man ihr an, wie emotional sie sich von den Erlebnissen der Mädchen berühren lässt. Denn nicht nur wir haben mit unserer Betroffenheit und mit Tränen zu kämpfen! Gut, dass Rose dabei ist. Mit ihrer sachlichen Art stellt sie gezielt Rückfragen und kommt schnell zur Sache. Denn die Mädchen wollen vor allem eines: Sie wollen alle zur Schule gehen! Nur so können sie später einmal Kibera zu entfliehen!

Eine Chance für die Kibera Girls

Rose könnte einige der Mädchen in ihrem Zentrum und in der Schule in Ruiru aufnehmen. Doch das kostet Geld! Geld, das Paschalia und die Mädchen nicht haben. Genau genommen sind es rund € 360,00 pro Mädel und Schuljahr für Schulgeld, Unterkunft und Verpflegung.

Ich lehne mich ziemlich weit aus dem Fenster, als ich Rose und Paschalia spontan zusage, dass wir das schon irgendwie hinbekommen würden. Die meisten Mädels im „Hosea House of Hope“ werden bereits von einem einzelnen Förderer der Aktion unterstützt. Deshalb bin ich auch recht optimistisch, dass wir die Kibera Girls dort und anderswo zur Schule schicken können! Ich hoffe, dass sehen Sie ähnlich?!

Reinhard Micheel, Geschäftsführer der Aktion Canchanabury

 

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