Leichensäcke in der Bochumer City

Bundesweite Straßenaktion macht auf Schicksal der Flüchtlinge im Mittelmeer aufmerksam


Mit einer deutschlandweiten Protestaktion #JedesLebenzählt machte heute das Bündnis Gemeinsam für Afrikasymbolisch auf das dramatische Schicksal der 23.700 Menschen aufmerksam, die seit dem Jahr 2000 bei ihrer Flucht über das Mittelmeer starben. Auf dem Dr. Ruer-Platz in Bochum beteiligten sich die lokalen Bündnismitglieder Aktion Canchanabury und die Duisburger Kindernothilfe an der Straßenaktion und legten 30 Leichensäcke nieder. Sie protestierten damit gegen Europas Versagen in der Flüchtlingspolitik und forderten, die Ursachen von Flucht ernsthaft zu bekämpfen.

Neben Bochum sperrten Aktivisten von Gemeinsam für Afrika auch in Berlin, Köln, Frankfurt, Dresden, Bielefeld und München Plätze ab und reihten insgesamt 237 Leichensäcke auf. Ein Transparent erinnerte an Artikel 1 unseres Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ und an die Pflicht Deutschlands, diese zu achten und zu schützen. Auf Informationstafeln berichteten Überlebende über ihre Flucht und davon, warum sie ihre Heimat verlassen mussten. Passanten legten Blumen nieder, zündeten Trauerkerzen in stillem Gedenken an die unzähligen Opfer an und unterstützen die Forderungen von Gemeinsam für Afrika mit ihrer Unterschrift.

„Angesichts des tausendfachen Todes auf dem Mittelmeer wollen wir aufrütteln, den Flüchtlingen ein Gesicht geben und Fluchtgründe verständlich machen. Fast immer sind Menschenrechtsverletzungen die Ursache von Flucht. Hinter jedem Opfer steht ein Mensch mit seiner unantastbaren Würde. Die Realität zeigt aber leider, dass wir doch nicht gleich an Würde und Rechten geboren werden. Armut, Hunger, mangelnde Gesundheitsfürsorge, schlechte Bildung, Arbeitslosigkeit und Umweltzerstörung verhindern ein menschenwürdiges Leben und zwingen Menschen dazu, ihre Heimat und ihre Familie zu verlassen.“, erklärte Susanne Anger, Sprecherin des Bündnisses.

In einer Petition #JedesLebenzählt an Bundeskanzlerin Merkel fordert Gemeinsam für Afrika eine ausreichende gemeinsame europäische Seenotmission, die nicht vorrangig dem Grenzschutz, sondern der Lebensrettung dient, und die Schaffung legaler und gefahrenfreier Wege in die EU. Zwingend notwendig seien zudem mehr langfristige und nachhaltige Programme zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge sowie die Respektierung und Wahrung der Menschenrechte von Geflüchteten – in Europa und in den Herkunftsländern.

 

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