Henriette und Gerd waren vom 02. - 16. August 2017 in Uganda unterwegs und haben die Projektpartner der Aktion besucht.

Beide haben ihre Eindrücke in jeweils einem kurzen Text zusammengefasst.

Begegnungen mit der Zukunft Ugandas

Ich bringe gute Nachrichten und eine gewisse Zufriedenheit von unserer diesjährigen Projektreise in Uganda mit:

Es tut sich was:

Kinder, die wir als Aktion Canchanabury jetzt schon lange durch ihre Ausbildung gefördert haben, stehen mitten im Leben, sprechen selbstverständlich mit uns, ohne Zurückhaltung. Sie sind selbstbewusst geworden, haben Jobs, unterstützen andere Kinder, teilweise Geschwister oder Nachbarskinder, die in einer ähnlichen Situation sind, wie sie selbst vor einigen Jahren. Die jungen Erwachsenen, die aus ärmlichen Verhältnissen kommen, ohne Hoffnung, ohne Eltern, teilweise HIV infiziert, sprechen heute aus einer andere Perspektive. Das macht mich irgendwie stolz, dass unsere Projektpartner diese Kinder gehegt und gepflegt haben und sie jetzt diese Unterstützung weitergeben können. Und auch, dass wir mit Hilfe unserer Freunde in Deutschland fähig sind, unseren Beitrag dazu zu leisten.

Da ist zum Beispiel John Katoh in Masaka, er war in Primary 6, als die Grail Schwestern auf ihn aufmerksam wurden und ihn mit ins Programm nahmen. Seine Mutter starb, als die drei Kinder noch sehr klein waren, sie waren mehr oder weniger sich selbst überlassen. Heute zahlt er das Schulgeld für seine  kleinen Geschwister. Er hat die Secondary School abgeschlossen und dann die Farm School. Dann hatte er das Glück und hat sich für ein Hilfsprogramm aus Kanada qualifiziert, das eine spezielle Methode zur Fütterung von Schweinen speziell für Uganda entwickelt hat. Hauptsächlich werden dafür die Blätter der Süßkartoffel benutzt, die anschließend mit Mais angereichert werden. Die Schweine gedeihen sehr gut mit diesem Futter und es ist nicht teuer zu produzieren. Seitdem er dieses Futtermittel verkauft, gibt er auch Kurse für Farmer in der ganzen Umgebung, in denen er sein Wissen weitergibt. Sein Büro und auch der Lagerraum zeigen, dass er ein wirklich gutes Geschäftsmodell aufgebaut hat.

Oder Ivan Ssentoujr, auch er wurde ab 2006 vom Grail unterstützt, die Kinder hatten gar nichts, noch nicht mal ein Stück Land um ihr Essen anzubauen. Er hat es geschafft und ist jetzt Lehrer an einer Primary School. Er konnte nach seinem Abschluss an der weiterführenden Schule an der Universität weitermachen, da er schon Unterricht gab und Geld verdiente. Jetzt konnte er seiner Familie ein Stück Land und ein kleines Haus kaufen, damit sie versorgt sind, auch er unterstützt seine Geschwister.

Dies sind auch die Früchte unserer Spender, die es möglich gemacht haben, diesen Kindern eine Chance zu geben!

Bei Sister Giovanna in Gulu haben wir gesehen, dass es dort viele Kinder gibt, die noch unsere Hilfe brauchen. Auch dort ist mir der enge Kontakt, den unsere Partner zu den Kindern haben, positiv aufgefallen. Kinder, die so scheu und verängstigt sind, einen kaum anschauen können, aufgrund dessen, was sie erleben mussten, haben Vertrauen zu den Councellern von Schwester Giovanna. Man merkt sofort, dass da eine vertrauensvolle Verbindung entstanden ist  und dass wirklich alles mögliche getan wird, um diese armen Seelen aufzubauen, ihnen Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zu schenken, damit auch sie uns eines Tages ihren erfolgreichen Lebensweg mit leuchtenden Augen erzählen können.

Die gute Nachricht ist, dass wir von Deutschland aus mit unseren Partnern in Afrika wirklich etwas bewegen!

Henriette

 

This Land is not for sale

Auf vielen Hauswänden und an vielen Grundstücken ist dieser Satz in Uganda zu lesen.
Dieses Land steht nicht zum Verkauf.

Immer wenn die Aktion in Uganda zu Besuch ist, um Projektpartner zu treffen, haben wir einen Fahrer, der uns mit seinem Wagen in den Norden oder in den Süden fährt, Peter Njawuzi. Peter ist nicht nur ein absolut verlässlicher Fahrer, er ist einfach ein total netter Mensch, den wir mittlerweile auch als Freund bezeichnen können. Wir fragen Peter, was es mit dem Satz „This Land is not for sale“ auf sich hat? Es ist wirklich auffällig, wie oft man ihn liest. Bei uns würde man ja ein Schild nach draußen stellen, wenn man etwas zu verkaufen hat und nicht umgekehrt.

„Es ist so“, beginnt Peter, „in den vergangenen Monaten und Jahren kommt es zunehmend vor, dass Menschen an der Tür oder mit Bauwerkzeugen auf den Grundstücken stehen und den Besitzern erzählen, dass sie die neuen Eigentümer seien. Nur, dass die eigentlichen Besitzer davon gar nichts wissen. Das ist eine Masche. Irgendwelche Leute fälschen Papiere und verkaufen Land, welches ihnen gar nicht gehört und wenn der Schwindel auffliegt, sind sie mit dem Geld schon über alle Berge. Damit die Käufer, sollten sie sich die Grundstücke vorher einmal ansehen, wenigstens auf die Idee kommen, dass da etwas nicht stimmt, deshalb schreiben die Menschen diesen Satz auf ihre Häuser.“ Peter lacht.

Dass sich auf diesem Kontinent immer irgendjemand Land aneignet, das ihm nicht gehört, ist ja fast schon historische Tradition. Hier läuft alles eben irgendwie anders. Wir, die Aktion Canchanabury, können hier nicht das große entwicklungspolitische Rad drehen. Wir sind in allem viel zu klein, um an solchen Zuständen grundlegend etwas ändern zu können.

Was wir aber tun können ist, den Menschen die wir kennen, denen wir vertrauen, die unsere Partner sind, den Eimer Farbe und den Pinsel zur Verfügung zu stellen, damit Sie auf ihre Häuser schreiben können:

„This Land is not for sale!“

Wir müssen den Menschen aus einem Land wie Uganda helfen, ihre eigenen Ideen umzusetzen. Wie dem jungen Mann, der ein spezielles Futtermittel für Schweine produziert, dem die Spender der Aktion den Besuch der Schule finanziert haben. Ihn und die vielen anderen Schüler und Schülerinnen aus den AIDS-Waisen Projekten in Uganda dabei zu unterstützen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, ist eine ganz große Aufgabe. Wenn es funktioniert und man dann mit diesen ehemaligen Schülern und Schülerinnen spricht, den Stolz in ihren Stimmen hört, wenn sie einem berichten, welchen Weg sie eingeschlagen haben und welchen Wert der Besuch einer Schule für sie hatte, dann relativieren sich viele Dinge, mit denen wir uns so herumschlagen.

„Wir waren irgendwann keine AIDS-Waisen mehr. Irgendwann hatten wir Euch.“ sagt Olivia, eine junge Frau, deren Schulbesuch ebenfalls durch die Aktion gefördert worden ist. Der Blick in ihren Augen ist nicht schüchtern, dankbar oder sentimental. Der Blick ist stark und stolz. Sollte Olivia irgendwann einmal ein kleines Haus besitzen und sollte dann jemand vorbeikommen und der Meinung sein, dass dieses Haus oder Grundstück ihm und nicht Olivia gehört – derjenige sollte sich warm anziehen.

„Dieses Land steht nicht zum Verkauf!“

Gerd

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