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Nur Dr. Tom bleibt noch

Situation in den Nuba Mountains eskaliert weiter- Genozid befürchtet


Die Nachrichten aus Gidel, die in den letzten Tagen in der Geschäftsstelle der Aktion eintrafen, sind mehr als nur besorgniserregend. Nachdem die in der Gegend arbeitenden Hilfsorganisationen bereits vor mehreren Tagen ihr Personal evakuiert haben, hat jetzt auch das von der Aktion unterstützte Hospital in Gidel seine ausländischen Mitarbeiter nach Nairobi ausfliegen lassen.

Nur noch drei Fachkräfte

Nur der amerikanische Arzt Dr. Tom Catena und die beiden Comboni-Schwestern Sr. Angelina und Rosio hatten sich geweigert und sind zusammen mit lokalen Hilfskräften bei den Kranken und Verwundeten geblieben. Sie sind jetzt die einzigen ausgebildeten medizinischen Fachkräfte vor Ort und versuchen, den Betrieb des 120- Betten-Krankenhauses irgendwie aufrecht zu erhalten. Das ist so gut wie unmöglich!!

Bomben auf Dörfer

Und täglich werden neue Verwundete der Kämpfe und Bombenangriffe in den Nuba Mountains hergebracht, darunter auch viele zivile Opfer. Denn die Armee des moslemischen Nordens setzt massiv auf Bombenterror. Die bereits während des zwanzigjährigen Bürgerkrieges so gefürchteten "Antonovs" bombardieren wieder die Dörfer und Städte in den von Christen und Moslems gleichermaßen bewohnten Nuba Mountains. Und sie machen auch vor Schulen und Kirchen nicht halt.

Der Beginn eines Genozids?

Es gibt erste konkrete Hinweise auf den Beginn eines Genozids. Der Norden versucht offensichtlich - wenige Wochen vor der Unabhängigkeit des Südsudan am 09. Juli -  große Teile der schwarzafrikanischen Bevölkerung der eigentlich zum Nordsudan gehörenden Nuba Mountains im Rahmen einer "ethnischen Säuberung" zu vertreiben. Es gibt Berichte von Massenverhaftungen und - hinrichtungen. Soldaten des Nordens sollen nach Augenzeugenberichten regelrecht Jagd auf die schwarzafrikanische Bevölkerung machen - selbst auf Frauen und Kinder!

Nicht wegschauen

In unseren Medien liest, hört und sieht man nur sehr wenig über die Situation in den Nuba Mountains. Die internationale Gemeinschaft muss jetzt reagieren und dem Töten dort Einhalt gebieten. Wir dürfen nicht wieder wie in Rwanda oder dem ehemaligen Jugoslawien zu lange wegschauen! Der international gesuchte sudanesische Staatspräsident Al-Baschir und seine mordende Armee muss gestoppt werden, bevor es diesmal wieder zu spät ist!

Wie geht's weiter?

Die Aktion fühlt sich den Menschen in den Nuba Mountains besonders verbunden. Erst vor wenigen Wochen war unser Geschäftsführer Reinhard Micheel dort, um mit den Verantwortlichen vor Ort über Möglichkeiten der Unterstützung beim Wiederaufbau der Gesundheitsversorgung zu sprechen. Ein erster Hilfgutcontainer mit medizinischer Ausrüstung und klinischem Bedarf erreichte das Hospital in Gidel noch wenige Tage vor Beginn der Kampfhandlungen.

Weitere Aktionen zum 50. Geburtstag der Aktion sollten - und sollen jetzt erst recht - dem Hospital in Gidel zugute kommen. Wir werden jetzt aber zunächst abwarten müssen, wie sich die Situation entwickelt und wie es in Gidel weitergehen kann, um dann gezielt helfen zu können!

Reinhard Micheel hatte über die Erfahrungen und Erlebnisse seiner Reise in die Nuba Mountains per Email regelmäßig "live"berichtet. Hier lesen Sie seine "Berichte aus der Mitte von Nirgendwo" »