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Wasser ist Leben

Erkundungsteam zurück aus Ghana und Togo

Fast 3.000 km liegen hinter Christian Ladermann und Thorsten Miaskowski von den Stadtwerken Bochum und das bei teilweise Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius. Zusammen mit Reinhard Micheel von der Aktion Canchanabury waren sie 17 Tage in Togo und Ghana unterwegs, um Projekte der Aktion und ihrer Partner in den westafrikanischen Ländern zu besuchen.

Der Beginn einer Kooperation

Ziel der Reise war es, mögliche Projekte im Bereich der Energie- und Wasserversorgung zu identifizieren, bei denen die Stadtwerke Bochum und die Aktion künftig kooperieren wollen. Gemeinsam hat man sich nämlich vorgenommen, die Versorgung der Menschen im Einzugsbereich der Projekte der Aktion mit notwendiger Energie und sauberem Trinkwasser zu verbessern bzw. diese überhaupt erst zu gewährleisten.

Gerade mitten in der Nacht in Accra , der Hauptstadt Ghanas, gelandet, ging es direkt am anderen Morgen mit dem Auto weiter nach Lomé, der Hauptstadt Togos. Begleitet wurden die drei Bochumer von Greg Iddi, einem Mitarbeiter von RESEP, der Partnerorganisation der Aktion in Ghana. Bereits seit einigen Jahren bestehen über die Aktion so genannte Süd-Süd-Kontakte zwischen den Partnern der Aktion in Togo und Ghana. Der Aktion war es wichtig, bei den möglichen Wasser- und Strom-Projekten sofort auch eine Vernetzung zwischen Togo und Ghana zu gewährleisten.

Wasser ist das Hauptproblem

Schon nach wenigen Tagen stand fest: Das Hauptproblem der Projektpartner liegt im Bereich der Wasserversorgung. Mit Koumana Bogra und Koffi Toussah von "Amitié et Action pour le Développement" - 2AD und Jerome Fiayiwo von "Promotion des Organisation Humaines" - Promo OrgaH besuchte man u.a. die Leprazentren Akata und Nyuiamabu, sowie mehrere Dörfer und Gesundheitseinrichtungen in der Mitte und im Norden des Landes. Um dorthin zu gelangen, ging es oft mit dem Geländewagen über abenteuerliche Pisten oder zu Fuß über die Berge. Besonders schweißtreibend war die Tour in Yigpa. Dort musste das Erkundungsteam in der Mittagshitze 400 Höhenmeter bergauf marschieren.

Im Gespräch mit der Bevölkerung

Überall gab es Gespräche und Diskussionen mit den "Dorf-Chiefs" und den Verantwortlichen der lokalen Entwicklungskomitees, aber oft auch direkt mit der Bevölkerung in den Dörfern. Bereitwillig standen sie Rede und Antwort und erläuterten ihre eigenen Ideen zur Verbesserung der Versorgung. Sie zeigten den Bochumern die vorhandenen Wasserstellen, Brunnen und Bohrlöcher. Wasser in ausreichender Menge ist besonders während der Trockenzeit, die je nach Region sehr unterschiedlich lang ausfällt, meist ungenügend bis gar nicht mehr vorhanden - von der Qualität des Wassers ganz zu schweigen.

Bis zu 30 Liter auf dem Kopf

Traditionell ist es Aufgabe der Frauen und Mädchen für den Wassernachschub zu sorgen. Während der Trockenzeit sind sie oft viele Stunden am Tag damit beschäftigt, das nötige Wasser von weit entfernten Quellen und Brunnen bzw. direkt aus Flüssen herbeizuschaffen. Dabei tragen sie teilweise bis zu 30 Liter in Kanistern und großen Schüsseln auf dem Kopf.

Nach einer Woche ging es zurück nach Accra und von dort direkt weiter mit einem kleinen Flugzeug nach Tamale im Norden des Landes. Dort wurde das Team von John Kipo Kaara, dem Chef der Partnerorganisation RESEP (Rural Education Shelter and Environmental Programme) abgeholt und nach 120 Kilometer teilweise übler Pistenfahrt kam man ziemlich "gerädert" in Damongo an.

Mit Solarenergie Wasser fördern

Auch in dieser besonders trockenen Region - mit nur durchschnittlich drei Monaten Regenzeit - stellt die Versorgung der Bevölkerung mit ausreichend sauberem Trinkwasser ein Hauptproblem dar. Das zeigte sich sehr schnell beim Besuch des West-Gonja-Hospitals und der St. Ann's Girls Secondary School in Damongo und der St. Kizito Vocational and Technical School in Bole. Hier würde man gerne tiefere Brunnen bohren und das Wasser mittels einer Kombination von Solarenergie und Normalstrom in Vorratsbehälter pumpen. Damit könnte man eine gleichmäßige Versorgung auch zu Spitzenzeiten sicherstellen.

Zu Gast in der "Oversea Region"

Besondere Betroffenheit hinterließ beim Erkundungsteam der Besuch des Dorfes Bawena. Der Ort mit rund 2.500 Einwohnern liegt rund 50 km abseits der Piste zwischen Damongo und Bole. Er ist nur mit Geländewagen über Wege zu erreichen, zu denen im Vergleich deutsche Feldwege wie vierspurige Autobahnen erscheinen. Man nennt die Gegend auch "Oversea Region", weil sie während der Regenzeit vollständig von der Außenwelt abgeschnitten ist.

Ganz oben auf der Liste

Dort entdeckte das Team sogar eine Gesundheitsstation mit Solaranlage. Allerdings lieferte diese tagsüber nur noch etwas Licht in der Station. Ihre eigentliche Funktion, einen Kühlschrank für dringend benötigte Medikamente während der Regenzeit zu betreiben, konnte sie aufgrund mangelnder Wartung nicht mehr erfüllen. Die Batterien waren nicht mehr zu gebrauchen und auch der Kühlschrank war defekt. Spontan erklärte sich Christian Ladermann bereit, sollte dieses Projekt auf der Prioritätenliste nicht ganz oben erscheinen, die Reparatur und Ersatzbeschaffung ggf. aus eigener Tasche zu finanzieren.

Es müssen Projekte der Betroffenen sein

Bereits auf dem Weg zurück in die Hauptstadt wurde überlegt: Welche Projekte erscheinen entwicklungspolitisch sinnvoll und können nachhaltige Wirkungen erzielen? Wie lassen sich einzelne Projekte konkret am besten und kostengünstig umsetzen? Welche Vorleistungen und Arbeiten können die Nutznießer dieser Projekte selbst erbringen? Denn eines soll bei allen Überlegungen absolute Priorität haben: Alle Projekte müssen Projekte der Betroffenen selbst sein! Die Menschen müssen voll hinter ihren Projekten stehen und für die entsprechende Nachhaltigkeit durch Übernahme von Verantwortung und eigene Beiträge in Form von Geld-, Sach- und Arbeitsleistungen sorgen.

Wir kennen fast jedes Wasserloch

Nach 17 Tagen kam das Erkundungsteam etwas erschöpft, aber mit vielen neuen Erfahrungen und jeder Menge Ideen im Gepäck zurück nach Bochum. "In einigen Regionen Ghanas und Togos kennen wir jetzt fast jedes Wasserloch!", so der Kommentar eines Teammitgliedes. Jetzt geht's an die konkrete Planung der einzelnen Projekte und darum, die Verantwortlichen beim neuen Partner der Aktion, den Stadtwerken Bochum, von deren Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit zu überzeugen.