Als ich Dirisa Muwayira zum ersten Mal in seinem schicken Anzug sehe, bin ich fest davon überzeugt, es mit einem Banker, Anwalt oder Unternehmensberater zu tun zu haben. Doch die Umgebung will so gar nicht dazu passen. Wir treffen uns nämlich in Kasubi, dem großen Slum der ugandischen Hauptstadt Kampala.
Als Dirisa, umringt von einer Horde lachender Kinder, auf Resty und mich zukommt, um uns zu begrüßen, geht mir erst auf: Das ist der Direktor der Kasubi Primary School! Ich hatte schon viel von ihm gehört. Die Menschen hier nennen ihn respektvoll den „Guten Geist von Kasubi“.
Ein Kind des Slums
Warum sie ihn so nennen, wird mir schnell klar. Er ist immer zu allen freundlich, hat stets ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Schüler und deren Eltern, sprüht nur so vor Energie und kann begeisternd von seinen Ideen und Plänen erzählen. Und was er sagt, macht Sinn, denn er weiß, wovon er redet. Er ist in Kasubi aufgewachsen und lebt heute noch immer hier.
Als er die Leitung der Primary School übernahm, war die nicht mehr als eine undichte Bretterbude, durch die in der Regenzeit sogar die Abwässer des Slums flossen. Er tauschte den Anzug gegen einen Blaumann, kaufte selbst Material und begann, seine Schule – auch mit Hilfe der Aktion - auf „Vordermann“ zu bringen - und das nicht nur baulich.
Neue Baby-Class
Es hat sich so einiges verändert an der Kasubi Primary School. So stehen jetzt Gesundheits- und Hygieneerziehung ebenso auf dem Stundenplan wie Workshops zur HIV/Aids-Prävention. Disira richtete auch eine Baby-Class ein, um die tagsüber oft unbetreuten Kleinkinder von der Straße zu bekommen. Auf seinem eigenen Grundstück in der Nähe entsteht jetzt ein Spielplatz für die Kinder. Sein Traum ist es, bald Unterricht in allen sieben Jahrgangsstufen anzubieten und allen Schülern mittags eine warme Mahlzeit zu ermöglichen. Und das dies kein Traum bleiben wird, daran arbeitet Dirisa bereits. Mich hat er jedenfalls schon voll auf seiner Seite.
Vorbild für Veränderung
Inmitten von Armut, Dreck, Gewalt und Hoffnungslosigkeit hier im Slum von Kasubi zeigt Dirisa Muwayira den Menschen, dass man etwas selbst in die Hand nehmen muss, wenn man es zum Positiven verändern will. Ein besseres Vorbild für die Kinder von Kasubi kann ich mir nicht vorstellen.
Ich schlage Disira deshalb für den Titel „Man of the Year 2009“ vor. Den richtigen Anzug für die Preisverleihung hat er schon. Und in dessen Taschen sind auch immer ein paar Münzen für die Kinder, die ohne Essen in die Schule kommen.
Reinhard Micheel (aus: Mbogi November 09)





