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Irgendwo am Ende der Welt

Projekt "Heilung der Heiler" im Sudan hat es nicht leicht

"Ich melde mich direkt aus Rumbek, irgendwo vom Ende der Welt", schrieb Ludwig Peschen vor einigen Wochen in einer Email aus dem Sudan. "Wenn ihr unser ‚Tagungshaus' hier sehen könntet! Der ‚Versammlungsraum' ist eine Mauer, etwa einen Meter hoch, darüber frei, das Strohdach mit blauer Plastikplane von innen abgedeckt, jedenfalls durchaus schattig. Enten und Ziegen schauen regelmäßig vorbei.


Von ‚Räumlichkeiten' kann hier keine Rede sein. Das Essen wird auf den gleichen Plastikstühlen eingenommen, auf denen wir vorher beim Kurs sitzen. Einige Kursteilnehmer schlafen nachts draußen, wenn es keinen Regen zu geben scheint. Seit ich Anfang 1971 zum ersten Mal afrikanischen Boden betreten habe, habe ich noch nie so ‚harte' Bedingungen für einen Kurs gehabt.

Von Nairobi herangeschafft

Ihr seid sicher überrascht, dass wir 20 USD fürs tägliche Budget pro Person veranschlagt haben. Das stimmt, es mag hoch sein, aber ich wusste im Vorfeld, dass hier alles von Nairobi herangeschafft werden muss und damit wegen des Transportes entsprechend teurer zu veranschlagen ist. Aber wir können uns nicht wie die Dinkas zwei Wochen lang nur von einem Blut-Milchmixgetränk ernähren.

Hier und ein Ziegenbein

Es gibt als Essen etwas aus folgendem Programm: Reis, Maisbrei, so was wie Nudeln, Bohnen oder Erbsen, hier und da ein Ziegenbein, und wenn wir sie bekommen, Mangos als Früchte... Aber alle Teilnehmer sind sehr zufrieden. Wir haben in diesem ersten Kurs 17 Teilnehmer. Einige sind nicht gekommen, denn die ersten Regen sind gefallen. Zudem hatte es hier im Vorfeld erheblichen Familienstreit gegeben. Ausgerechnet zwei ausgewählte Teilnehmer waren darin verwickelt, obwohl sie beide zum Glück am Geschehen völlig unschuldig waren.

Familienstreit

Irgendwann war ein Mädchen für 4 Stunden verschwunden, ein junger Mann (als Teilnehmer an unserem Seminar ausgeguckt!) wurde beschuldigt, dann mit ihr geschlafen zu haben. Der wurde dann erst stammesgemäß fast lebensgefährlich von den Brüdern des Mädchens verhauen, bevor eine Gerichtsverhandlung gestartet werden konnte.

Kein Grund aufzugeben

Diejenigen, die ihn verhauen hatten, hatten jetzt Revanche zu fürchten. Das führte dann zu einem anderen Teilnehmer an unserem Kurs. Obwohl alle wussten, dass er zum Zeitpunkt der Prügelei gerade einen Kurs in Dinka-Sprache für neue irische Missionarinnen gab. Aber er war halt der älteste einer Reihe von Brüdern. Ein völliges Durcheinander, wobei sich einer stets versteckt halten muss.

Nun, ich finde es wichtig, dass ihr einen Einblick in unser tägliches ‚Gogo' bekommt. Es ist wirklich nicht leicht. Aber gerade das betrachten wir eben NICHT als Grund, die Flinte ins Korn zu werfen, ganz im Gegenteil, hier muss was geschehen."

You'll never walk alone

Ludwig Peschen  (aus:Mbogi Juni 2006)

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