Da bricht plötzlich Gelächter aus. Die weißen Flecken sind nur aufgemalt. Schnell bildet sich eine große Menschentraube um diesen komischen Kerl, der sich da am Boden windet. Und genau das hat er beabsichtigt. Er braucht die Aufmerksamkeit, denn er gehört zur Schauspieltruppe "Bu-Tsome", die von unserem togoischen Projektpartner 2 AD (Amitié et Action pour le Développement) engagiert wurde, um AIDS-Aufklärung zu betreiben.
Kein erhobener Zeigefinger
Und sie tun dies überall dort, wo Menschen zusammen kommen, wo Menschen warten, wo Menschen Zeit haben zuzuhören: auf Busbahnhöfen, auf Marktplätzen, in Schulen und bei Festen. Und es wird viel gelacht, wenn die Truppe die vier eigens geschriebenen "Sketches de Rue" (Straßentheater) vorführt. Denn eines haben 2 AD und "Bu-Tsome" schnell gelernt: Mit bierernster Belehrung und erhobenem Zeigefinger findet man kein Gehör und erreicht nicht die Herzen der Menschen.
Von Dorf zu Dorf
So ziehen sie von Dorf zu Dorf und von Marktplatz zu Marktplatz, um den Menschen die Gefahren von HIV/AIDS vor Augen zu führen, sie über die Ursachen und Übertragungswege der Krankheit zu informieren und wie man sich davor schützen kann. Sie führen ihren Kampf gegen Aids ganz bewusst nicht in den großen Städten. Sie führen ihn auf dem Land, dort wo es kein Fernsehen und kaum Radios gibt, und die Menschen wenig bis gar nichts wissen über die Krankheit, der schon so viele ihrer Landsleute zum Opfer gefallen sind.
Sie haben zugehört
Als der Bus endlich kommt, will niemand einsteigen. "Bu-Tsome" ist noch in voller Aktion und keiner will das Ende versäumen. Zum Schluss werden Kondome verteilt und unter großem Gelächter der richtige Gebrauch erklärt. Dann kehrt wieder Ruhe ein in Niamtougou. Aus dem abfahrenden Bus winkt man den Schauspielern und dem Team von 2 AD noch einmal zu. Koumana Bogra von 2 AD ist zufrieden und grinst: "Sie haben zugehört! Einige haben sogar Fragen gestellt! Und sogar der Dorfälteste war da! Das ist wieder einer der vielen kleinen Anfänge, um die Seuche in den Griff zu bekommen!"
Reinhard Micheel (aus "mbogi" 2/2005)
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