Es gab einen Moment während Schwester Resty Ndaganos zweiwöchigem Aufenthalt in unserem Haus, als ich mir sehr dumm vorkam. Nachdem wir schon einige Male über die Situation in Uganda unterhalten hatten, versuchte ich Resty die politische Situation in Deutschland zu erklären und erwischte mich dabei, wie ich plötzlich von "schwerwiegenden ökonomischen Problemen und hoher Arbeitslosigkeit" faselte, bis ich innehielt. Wollte ich wirklich einer Frau, die jeden Tag mit AIDS-kranken Kindern arbeitete und die fünf Geschwister an diese Seuche verloren hatte etwas von der Agenda 2010 erzählen? Die beste Antwort auf diese nicht laut gestellte Frage kam natürlich von Resty selbst: Ja, sagte sie, das seien wohl ungefähr die Probleme, die man habe, wenn man seinen Sommer-Urlaub plant. Das hatte gesessen.
Der Besuch von Schwester Resty war für unsere ganze Familie eine tief greifende Erfahrung. Meine Frau und ich verdanken ihr einen Einblick in eine komplett andere Welt, in der so vieles völlig anders funktioniert, und der ältere unserer beiden Söhne (vier Jahre alt) nahm diesen Besuch als Ansporn, vielleicht auch mal ein bisschen Englisch zu lernen.
Neben der beeindruckenden Wärme, mit der sie von den Kindern, um die sie sich kümmert, erzählte, hat uns besonders ihr umwerfender Humor begeistert. Dann waren da noch ihre verblüffende Vorliebe für amerikanische Thriller wie "Staatsfeind Nummer Eins" mit Will Smith und für die Darbietungen der brasilianischen Fußballnationalmannschaft beim Confed-Cup. Und sie ist sicher die erste Frau, der ich bisher begegnet bin, die auf einen Linienrichter im Fernseher deuten und sagen konnte: "I know this man!" Tatsächlich kam der Schiedsrichterassistent aus Uganda! Meine Frau kennt in Deutschland nicht einmal die Spieler!
Die Frage der Unterbringung von Schwester Resty bei ihrem nächsten Deutschland-Besuch kann jedenfalls schon jetzt als beantwortet gelten.
Frank Goosen
(aus: "mbogi" November 2005)






