Versichert für € 2,20
HIS steht für "West Gonja Health Insurance Scheme" und wurde 1994 gestartet. Ziel war es, den Bewohnern im West-Gonja-Distrikt - einem der ärmsten und dünn besiedeltsten in Ghana - eine bezahlbare Krankenbehandlung zu ermöglichen. Auch das chronische Defizit des West-Gonja-Hospitals, dem einzigen in der gesamten Region, sollte damit abgebaut werden. Die meisten Menschen dort sind sehr arm. Sie konnten sich im Krankheitsfall eine Behandlung im Hospital nicht leisten. Viele blieben krank zu Hause, viele starben.
Mit der Einführung von HIS veränderte sich dies deutlich. Für zunächst 5.000 Cedis im Jahr konnte man sich für alle stationären Behandlungen im West-Gonja-Hospital versichern. Heute sind es 25.000 Cedis, was ungefähr € 2,20 entspricht. HIS hat zurzeit 40.710 Mitglieder.
Kein Geld zurück
"Der Anfang war nicht einfach", erinnern sich John Kipo Kaara und Stefan Marx, die Initiatoren von HIS. "Wir mussten zunächst die Menschen, allen voran die Dorf-Chefs, von den Vorteilen der Krankenversicherung überzeugen und auch davon, Geld für etwas zu zahlen, von dem man nicht weiß, ob man etwas davon hat." Schmunzelnd erzählen sie mir die Geschichte vom dem Farmer, der nach Ablauf des ersten Jahres sein Geld zurück haben wollte, da ja in seiner Familie niemand krank geworden sei.
Noch immer hat das Team von HIS mit zahlreichen Problemen zu kämpfen. Und längst sind nicht alle Bewohner des Distrikts überzeugt worden. In der Zwischenzeit wurde das System der Einzelmitgliedschaft auf eine Familienmitgliedschaft umgestellt. Die Aktion Canchanabury und zwei ihrer Partnerorganisationen haben in den letzten drei Jahren so genannte "School-Packages" zur Versicherung aller Schulkinder des Distriktes finanziert.
HIS - Vorbild für Ghana
Die größten Veränderungen stehen aber in diesem Jahr an. Nach längerer Ankündigung will die Regierung ein "National Insurance Scheme" verpflichtend für alle Ghanaer einführen. Es soll regional organisiert werden und neben der Krankenhausbehandlung auch die ambulante Versorgung im Hospital und den lokalen Gesundheitsstationen mit einschließen. Für den West-Gonja-Distrikt ist HIS bereits angefragt worden diese Aufgabe zu übernehmen.
Im Juli soll es jetzt endlich soweit sein, aber niemand glaubt so recht daran. Zu oft hat die Regierung den Start der Nationalen Versicherung bereits verschoben. HIS wird nicht warten und schon einmal mit Hilfe der Aktion in mehreren kleinen Dörfern den neuen, umfangreicheren Versicherungsschutz erproben.
Pionierarbeit geleistet
"Das kriegen wir schon hin!" meint Thomas Kudjo, der derzeitige Leiter von HIS. Und nicht ohne Stolz fügt er hinzu: "Schließlich haben wir die meiste Erfahrung damit in Ghana! Ohne unsere Pionierarbeit und unsere Erfahrungen würde es die Versicherungspflicht für alle überhaupt nicht geben!"
Reinhard Micheel
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