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Hast du eigentlich auch AIDS?

Schwester Resty Ndagano und ihr Besuch in Deutschland

"Hast du eigentlich auch AIDS?" fragte ein neunjähriges Mädchen die Krankenschwester aus Uganda. Im Klassenzimmer herrschte plötzlich absolute Stille. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Alle schauten gespannt auf Resty Ndagano. Wie würde sie reagieren? Was würde sie antworten?



Resty ging zu dem Mädchen, das die Frage gestellt hatte, lächelte freundlich und sagte: "Nein, ich selbst habe kein AIDS! Aber ich habe drei meiner Brüder und zwei Schwestern durch AIDS verloren. Nach dem Tod meiner Geschwister musste ich mich plötzlich um 23 Nichten und Neffen kümmern. Dabei habe ich gelernt, wie wichtig Geborgenheit und Liebe für diese Kinder sind. Nur so können sie den Verlust der Eltern einigermaßen überwinden, ohne nachhaltig Schaden an ihrer Seele zu nehmen."

Aids zum Beruf gemacht

Resty Ndagano hat ihre familiären Erfahrungen mit der Krankheit genutzt und daraus eine berufliche Aufgabe gemacht. Sie ist Leiterin der "Counselling and Home Care Section" des Rubaga-Hospitals in Kampala. Zusammen mit ihrem Team betreut sie AIDS-Kranke in ihrer häuslichen Umgebung und kümmert sich um die immer größer werdende Zahl von AIDS-Waisen in der ugandischen Hauptstadt.

Optimismus, der ansteckt

Die Aktion Canchanabury, die das AIDS-Waisen-Programm am Rubaga-Hospital seit 1992 fördert, hatte Resty im Mai nach Deutschland eingeladen. Mit ihrer offenen Art, ihrer Fröhlichkeit und ihrem ansteckenden Optimismus gelang es ihr schnell die Aufmerksamkeit ihrer großen und kleinen Zuhörer bei zahlreichen Veranstaltungen zu gewinnen. In Schulen, in Gemeinden, bei der AIDS-Ambulanz in Bochum, beim Naturheilkundetag in Dortmund, bei verschiedenen Presseterminen sowie bei zwei AIDS-Paten-Treffen "Paten treffen Partner" berichtete Resty über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen mit HIV/AIDS-Patienten und den Waisen.

Revanche angekündigt

Ein wahrlich "strammes" Programm hatte die Aktion in den zwei Wochen für Resty parat. Aber sie meisterte es mit Bravour und stets guter Laune. Bei der Verabschiedung am Flughafen versicherte sie mir mit einem breiten Grinsen, dass sie sich beim Gegenbesuch im Oktober revanchieren würde. Und eins ist sicher: Auf Resty kann man sich verlassen!

Reinhard Micheel

(aus: "mbogi" November 2004)