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Diese Kinder brauchen Schutzengel!

Eindrücke einer Reise durch das AIDS-Land Uganda

"Was wir brauchen, sind Schutzengel für diese Kinder - hier in Uganda und bei euch in Deutschland!" meinte Schwester Resty Ndagano auf meine Frage, wie man den AIDS-Waisen am besten helfen könnte. Schutzengel? Ich dachte zunächst ich hätte mich verhört, aber "guardian angel" heißt übersetzt Schutzengel.


Was Schwester Resty damit meinte, wurde mir in den folgenden Tagen klar. Ich war nach Uganda gekommen, um mich über die Arbeit unsere AIDS-Waisen- und AIDS-Präventions-Projekte Land zu informieren. Mein Besuch führte mich zu verschiedenen Einrichtungen, die sich im Bereich der HIV/AIDS-Arbeit engagieren.

In vertrauter Umgebung

So zum Beispiel das Kitovu-Grail-Centre in Masaka. Dort kümmern sich Schwester Maria Nantenge und ihre Mitschwestern von der internationalen Frauengemeinschaft "The Grail" um die Waisen in der Region des Landes, von wo die AIDS-Endemie vor vielen Jahren ihren Ausgang nahm. Neben dem Schulbesuch geht es den Schwestern vor allem darum, dass die Kinder möglichst in vertrauter Umgebung aufwachsen. Hierfür suchen sie neben Verwandten auch nach Frauen, die bereit sind, die Kinder in ihren Familien aufzunehmen. Sie veranstalten Workshops, um diese so genannten "Guardians" und auch die Lehrer auf die schwierige Situation der Kinder und wie man damit umgehen sollte vorzubereiten.

Solide Schulausbildung

Sr. Resty und ihr Team von der "Counselling and Home Care Section" des Rubaga-Hospitals betreuen AIDS-Waisen in verschiedenen Stadtteilen der Hauptstadt Kampala. Auch hier setzt man alles daran, den Kindern eine möglichst "normale" Entwicklung zu ermöglichen. Eine solide Schulausbildung steht auch hier im Mittelpunkt.

Zum Zeitpunkt meines Besuches waren gerade Ferien. Die nutzt Sr. Resty für zusätzliche Angebote an die Waisen und "Guardians". So hatte ich die einmalige Chance an einem so genannten "Behaviour Change Programme" teilzunehmen. In diesen Workshops wird über die Gefahren und Ursachen von HIV/AIDS informiert. Gemeinsam überlegt man dann, wie man sich durch persönliche Verhaltensänderung am besten schützen kann.

Lange genug durchhalten

Ich hatte die Gelegenheit mit vielen Betroffenen persönlich zu sprechen. Was ich dabei erlebte, gehört zu den beeindruckendsten Erfahrungen meines Lebens. Selten bin ich soviel persönlichem Leid und Elend begegnet, selten aber auch habe ich soviel Solidarität, Mitgefühl und sogar Optimismus erlebt.

Ich sprach mit Joseph Kibuga, einem 69jährigen Großvater, der die 10 Kinder seiner drei verstorbenen Söhne aufgenommen hat. Seine einzige Sorge ist, dass er noch so lange "durchhält" bis die Kinder alt genug sind sich selbst zu versorgen.

Ein Junge mit Talenten

Sophia Kadugama, deren Mann vor zwei Jahren an AIDS gestorben ist, erzählte mir von ihrer eigenen AIDS-Krankheit. "Was wird aus den Kindern, wenn ich demnächst sterbe?" fragte mich die Mutter von fünf Kindern. "Meine ganze Hoffnung setze ich auf Sr. Resty! Die hilft den Kleinen bestimmt."

Robert Ndakitto ist dreizehn Jahre alt und ein Junge mit vielen Talenten. Ende des Jahres ist er mit der Primary School fertig und möchte gerne weiter zur Secondary School gehen, um seine Ausbildung fortzusetzen. "Meine Eltern und alle Verwandten sind an AIDS gestorben. Meine Pflegeeltern haben selbst sechs Kinder und können das Schulgeld für die Secondary nicht zahlen. Und ich würde doch so gerne weitermachen!"

Alles im Griff

Susan Bakindoko ist mit ihren 13 Jahren der "Haushaltsvorstand". 5 Geschwister hören auf ihr Kommando. Sie grinst, als sie mir erzählt wie sie zu Hause alles im Griff hat: "Mittlerweile hat sich das ganz gut eingespielt! Das Team vom Rubaga hilft uns wo es kann. Ich kann sogar wieder zur Schule gehen. Das ist zwar ziemlich stressig, aber ich möchte gerne Ärztin werden, wie es auch meine Freundin Josephine werden wollte!" Beim letzten Satz fängt sie an zu weinen und Resty muss sie in den Arm nehmen und trösten.

Schwarze und weiße Schutzengel

Die ugandischen "Schutzengel" der AIDS-Waisen habe ich kennen gelernt! Ihr Einsatz ist bewundernswert und nötigt mir großen Respekt ab. Besonders, wenn man bedenkt, dass sie selbst meist in ärmlichsten Verhältnissen leben und kaum ihren eigenen Lebensunterhalt aufbringen können.

Auch in Deutschland haben wir schon "Schutzengel" für die AIDS-Waisen gefunden. Diese haben für nur neun Euro pro Monat die Patenschaft für ein oder mehrere Kinder übernommen. Wir Suchen noch viele weitere "Schutzengel", die diesen Kindern eine Chance geben wollen.

Reinhard Micheel  (aus "mbogi")

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