Im Mai besuchten Mitarbeiter der Aktion das Lepradorf Nyuiamabu in Togo. In einem seiner Reiseberichte beschreibt Reinhard Micheel seine Erlebnisse im „Dorf der Vergessenen“: Ich erinnere mich gut daran, als mir vor über 20 Jahren erstmals ein Leprakranker seine verstümmelte Hand zur Begrüßung entgegenstreckte. Und ich weiß noch genau, wie ich innerlich zurückgewichen bin vor der Berührung, aus Angst ich könnte mich anstecken. Ich habe damals die Hand geschüttelt und seitdem bestimmt viele hundert andere.
Abwechslung im tristen Alltag
Doch es ist jedes Mal wieder eine Herausforderung. So auch heute, als wir mit Koumana und Toussah von 2 AD das kleine Lepradorf Nyuiamabu besuchen. Dort leben noch rund 20 geheilte, aber vom Aussatz stark geschädigte Leprainvaliden mit ihren Familien. Die Menschen freuen sich sichtlich über den Besuch. Von allen Seiten kommen sie auf Krücken oder gestützt von Angehörigen zum Dorfplatz. Im Schatten eines großen Baumes werden Bänke aufstellt. Für die Menschen hier ist unser Besuch eine willkommene Abwechslung im tristen Alltag.
Wir müssen viele Hände schütteln. Ich schaue zu Jette hinüber, die zum ersten Mal in einem Lepradorf ist. Sie scheint keine Probleme zu haben, die Kranken so zu begrüßen. Fetten Respekt! Unter den Leprösen ist auch eine alte Frau, deren Gesicht durch die Lepra derart entstellt ist, das es mir schwerfällt, sie direkt anzuschauen, wenn sie redet. Sie berichtet von den schwierigen Lebensbedingungen an diesem abgelegenen Ort. Bis auf Koumana würde sich niemand um sie kümmern und von der staatlichen Hilfe, die im nahegelegenen Leprazentrum Akata ankomme, würden sie fast nie etwas erhalten.
Mit durchgefüttert
Sorgen machen sich Aussätzigen vor allem um ihre Kinder und Enkel. Die haben, sobald man weiß, woher sie kommen, kaum eine Chance Arbeit zu finden. Und Produkte aus dem Dorf kauft auch niemand, weil sie von Leprakranken stammen. Hinzu kommt, dass die meisten sehr alt sind. Es ist abzusehen, dass sie in einigen Jahren nicht mehr leben werden. Was wird dann aus ihren Familien, was aus ihren Kindern? Die staatliche wie private Unterstützung gilt nur den Leprakranken, nicht deren Angehörigen. Über die Jahre haben sich die Familien aber daran gewöhnt, mit „durchgefüttert“ zu werden. Da erstirbt auf Dauer jede Initiative, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Noch immer in Angst
Unsere Partner von 2 AD wollen den Kindern der Invaliden mit gezielten Angeboten Perspektiven außerhalb des Lepradorfes eröffnen. Denn hier im „Dorf der Vergessenen“ haben sie keine Zukunft - hier weit ab von anderen Siedlungen und obendrein dadurch isoliert, dass ihre Nachbarn Angst vor ihnen haben.







