Die Idee für das etwas ungewöhnliche Fußballspiel stammte nämlich von ihm. Er hatte die Aids-Waisen dazu überredet und obendrein davon überzeugt, dass sie sich beim Kicken etwas zurückhalten sollten. Denn die Toc-Tocs, wie man Behinderte in Burundi umgangssprachlich nennt - und das nicht bösartig, hätten schließlich ein noch viel schwereres Los zu tragen als sie. Alle hatten spontan zugestimmt. Auch im Zentrum von FVS leben einige der Toc-Tocs und mit denen kommen sie gut aus.
Spielregeln geändert
Vor dem Spiel wurden allerdings noch einige Spielregeln geändert. So gestand man den Toc-Tocs zwei Torwarte zu und obendrein wurde die Höhe des Tores auf die Hälfte reduziert. Beide Torleute können aufgrund ihrer Behinderung nur im Sitzen spielen. Das haben alle auch sofort eingesehen.
Für jeden eine Cola
Bevor dann die zweite Halbzeit angepfiffen wird, gelingt es Ludwig Peschen das FVS-Team noch davon überzeugen, die Toc-Tocs jetzt nicht völlig "einzustampfen", sondern ein für beide Seiten "ehrenvolles" Ergebnis zu finden. Das Spiel endet schließlich 4:4 und alle sind zufrieden - besonders, weil es bei der anschließenden Feier ordentlich was zu futtern und für jeden eine Cola gibt.
Das Centre Akamuri
Die beiden Zentren in Bujumbura arbeiten schon seit längerer Zeit eng zusammen. Entstanden ist die Kooperation zwischen dem langjährigen Projektpartner der Aktion und dem "Centre Akamuri" aufgrund der Tatsache, dass es unter den Aids-Waisen bei FVS eine Reihe behinderter Kinder gibt, die im Centre Akamuri zur Schule gehen.
Die indische Ordensschwester Meena hat mit dem Centre Akamuri einen Ort für geistig und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche mitten in der burundischen Hauptstadt geschaffen. Dort stehen Therapiemöglichkeiten zur Behandlung verschiedenster Behinderungen zur Verfügung, die man zunächst in einer solchen Umgebung nicht vermuten würde.
Viel läuft in Eigenregie
Entsprechend ihren individuellen geistigen und körperlichen Möglichkeiten erhalten die Kinder Schulunterricht oder trainieren handwerkliche Fähigkeiten. Die Toc-Tocs betreiben in Eigenregie eine kleine Farm, in der Gemüse für den Eigenbedarf angepflanzt, sowie Hühner, Kaninchen und Ziegen gezüchtet werden. Es gibt ein kleines Restaurant, einen Kiosk, einen Friseurladen und eine Getreidemühle.
Eierpappen sind der Hit
In einer kleinen Werkstatt werden aus Pappmaché allerhand Dinge für den täglichen Bedarf und auch Kunstgewerbe hergestellt. Ein absoluter Verkaufsschlager bei den Händlern der Hauptstadt sind die aus Pappmaché hergestellten Eierpappen. Stabilere gibt's im ganzen Land nicht.
Verantwortung nicht abnehmen
Schwester Meena und ihr Team legen großen Wert darauf, dass sie kein Heim sind, in das man die Toc-Tocs "abschiebt". Vielmehr sind fast alle Kinder nur tagsüber dort. Nachmittags werden sie von ihren Eltern bzw. den FVS-Mitarbeitern abgeholt. Damit soll deutlich gemacht werden, dass Akamuri den Eltern nicht die Verantwortung für ihre behinderten Kinder abnehmen kann und will. Die Aktion will sich ab 2008 finanziell an der weiteren Verbesserung der Therapiemöglichkeiten beteiligen.
(aus "mbogi" - November 2007)

