Mit großer Sorge verfolgen wir momentan die Entwicklungen in den Nuba Mountains im Sudan! Noch am Wochenende waren die Medien voll mit den Feierlichkeiten anlässlich der Gründung der Republik Süd-Sudan! Doch selbst am letzten Samstag, dem Tag der Staatsgründung, ließ der Norden die Nuba Mountains bombardieren.
Alle Anzeichen sprechen dafür, dass es sich dabei um eine systematische Vertreibung der schwarzafrikanischen Nuba-Stämme und ethnische Säuberung handelt. Das Gebiet ist zwischen den beiden Sudans umstritten. Obwohl zum großen Teil christlich und animistisch geprägt, gehören die Nuba Mountains ursprünglich zum Norden, sind aber von der südsudanesischen SPLM besetzt. Die Bevölkerung hat auch nicht am Referendum zur Unabhängigkeit teilnehmen dürfen.
Heute Morgen waren wir über Nairobi im Kontakt mit unseren Partnern im Hospital in Gidel. Der Norden setzt aktuell seine Bombardements weiter fort. Hauptziel sind aktuell die vielen kleinen „airstrips“ (Landebahnen im Busch), über die man versucht, die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Medikamenten aufrecht zu erhalten sowie Verletzte und Kranke auszufliegen. Nach Auskunft unserer Partner finden sich fast keine Flieger mehr, die bereit sind, in die Nuba Mountains zu fliegen.
Im Hospital Gidel, das hoffungslos mit Kranken und Verwundeten überfüllt ist, sind nur noch Dr. Tom und zwei Comboni-Schwestern als einzig ausgebildetes medizinisches Fachpersonal geblieben - sowie einige einheimische Hilfskräfte. Wer sich einen Eindruck der Situation machen möchte, findet unter folgendem Link http://transcurrents.com/news-views/archives/2093 mehrere Reportagen der letzten Tage des Fernsehsenders Al Jarzeera aus den Nuba Mountains. Darunter ist auch eine aus Gidel, in der Dr. Tom die Art der Bombardements offen als das bezeichnet, was sie sind: Völkermord!!! Das ist sehr mutig, aber auch sehr gefährlich!
Noch im März war unser Geschäftsführer Reinhard Micheel in den Nuba Mountains unterwegs und begeistert von der dort herrschenden Aufbruchsstimmung und dem Optimismus der Menschen. Nach über 20 Jahren Bürgerkrieg freuten sich alle über den aufkeimenden Frieden und die sich auftuenden Perspektiven für eine bessere Zukunft. Und jetzt geraten die Nubas – wie damals - wieder zwischen die Fronten widerstreitender Interessen. Und diesmal versucht der Norden offensichtlich, die schwarzafrikanische Bevölkerung vollends zu vertreiben bzw. umzubringen! Und das wirklich Schlimme darin ist, dass wir hier kaum Notiz von dem dort beginnenden Völkermord nehmen. Das erinnert fatal an den Genozid in Rwanda und die ethnischen Säuberungen auf dem Balkan!
Wir werden auf alle Fälle versuchen, den Menschen in den Nubas mit unseren begrenzten Mitteln zu helfen und die Geschehnisse dort öffentlich zu machen! Seit ein paar Wochen stehen wir bereits in Kontakt mit einigen anderen Organisationen, die in der Gegend aktiv sind bzw. waren! Wenige Tage vor den ersten Bombardements erreichte noch unser erster Hilfsgutcontainer mit Verbandsmaterial und Klinikbedarf das Hospital in Gidel.
Anlässlich unseres 50. Geburtstages hatten wir in diesem Jahr eigentlich geplant, Gidel beim Aufbau einer mobiler Gesundheitsversorgung (Primary Health Care) und bei der Bekämpfung der hohen Lepra-Infektionszahlen zu helfen. Dafür haben wir u.a. unsere Kampagne „Dein 50er zum 50sten“ mit den Pappspardosen in Form unserer Container gestartet! Das steht auch weiterhin auf unserer Agenda, doch müssen wir jetzt zunächst schauen, wie und womit wir helfen können und was am dringensten gebraucht wird! Wir werden Sie auf dem Laufenden halten!






